Wie war Ihr formal-ästhetischer Anspruch beim Dreh?

Wir arbeiten mit einer, für einen Dokumentarfilm relativ großen und zudem erstklassigen Crew. Sorin Dragoi ist sicher einer der besten Kameramänner, ein engagierter Filmästhet mit Spielfilm-Erfahrung. Unser hochmodernes Kamerasystem SI-2K erlaubte, dass wir auch in Geschwindigkeit kraftvolle Bilder, ungewöhnliche Perspektiven filmen konnten. Damit ist zum Beispiel auch SLUMDOG MILLIONAIRE gedreht worden. Mona Bräuer zeigt im Schnitt ihre herausragende Doku-Kompetenz. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Ist das Kino der richtige Ort für solch ein politisches Manifest?

Das Kino ist für mich der ideale Schauplatz, ein Eventraum, in dem ich mit vielen Menschen ein gemeinsames Erlebnis habe. Diesen Ansatz nutzen wir und treiben ihn voran. Die 4. REVOLUTION ist mehr als ein Film, es kann der Beginn eines Aufbruchs, eines persönlichen Aufbruchs sein. Der Film liefert Handlungskompetenz für jeden Besucher und kann – eingebettet in die Event-Kampagne - zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Und: der Film ist ja nicht nur Manifest, sondern zeigt grandiose Bilder, zeigt auch schwache Momente starker Personen und erzählt berührende Geschichten. Begleitet wird die Reise um die Welt von Musik, die großteils von der russischen Filmmusikerin Natalia Dittrich für die 4. REVOLUTION komponiert wurde. Für das Kino spricht auch, dass ich im Kino mehr Freiheiten als im TV habe, auch ästhetischer und dramaturgischer Art. Im Fernsehen gibt es Machtstrukturen, die manches erschweren. Es war wichtig, eine vollständig unabhängige Produktion zu gewährleisten – bis hin zum Filmverleih.

Ihre Protagonisten geben sich über die Kontinente hinweg gewissermaßen die Klinke in die Hand. Ein Symbol der „Community“, das weltweite Netz?

Ja, das ist ein reales und virtuelles Netz. Die kennen sich untereinander – mehr oder weniger intensiv. Dieses Netz soll der Film weiterknüpfen. Sie können sich vorstellen, dass dieser rote Faden über alle Kontinente ein sehr aufwändiger dramaturgischer Ansatz war. Aber es hat sich gelohnt – nicht nur für die Dramaturgie, auch für die Protagonisten. Dass sie miteinander in den Dialog gingen, sich über die Kontinente hinweg die Hand gaben und die Zusammenarbeit bekräftigten, das hat manchem Kraft gegeben, zum Beispiel Ibrahim Togola bei seinem Besuch in Bangladesch.

Könnte aufgrund der zahlreichen Sponsoren der Eindruck entstehen, dass Sie sich zum Sprachrohr einer bestimmten Richtung machen?

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Fundraising und Inhalt. Wir haben mit unseren Sponsoren vertraglich abgesichert, dass sie keinen Einfluss nehmen können. Und das haben sie auch nicht getan. Die Inhalte zählen. Und das kommunizieren wir auch offensiv!

Wer finanziert die Produktion?

Das sind Einzelpersonen und Gruppierungen: die SPD-Ortsgruppe ebenso wie der Waldorfschule, der Chef einer Schokoladenfabrik ebenso wie unser Hauptsponsor. 130 Entscheidungen von Menschen mit unterschiedlichstem Potenzial. Wir sind stolz darauf, dass wir unseren dezentralen Ansatz im Film auch für dessen Finanzierung umsetzen konnten. Das ist eine unabhängige Produktion im besten Sinne. Zur Überraschung ALLER ist dieses Finanzierungskonzept aufgegangen – nicht ausschließlich ein Millionär als Sponsor, sondern eine ganzheitliche Basis, die unsere Energy Autonomy- Community stützt.